Warum Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Werke häufig falsch bewerten
Sind deutsche Produktionsstandorte wirklich zu teuer?
Wenn über die Zukunft deutscher Produktionsstandorte diskutiert wird, folgt die Argumentation häufig einem bekannten Muster. Steigende Lohnkosten, hohe Energiepreise, zunehmende regulatorische Anforderungen und der internationale Wettbewerbsdruck werden als Beleg dafür angeführt, dass industrielle Produktion in Deutschland langfristig an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Die daraus abgeleitete Schlussfolgerung scheint naheliegend: Wer wettbewerbsfähig bleiben möchte, muss Kosten reduzieren, Produktionsumfänge verlagern oder neue Standorte in kostengünstigeren Regionen aufbauen.
Diese Sichtweise ist verständlich. Gleichzeitig greift sie häufig zu kurz. Denn die Wettbewerbsfähigkeit eines Produktionsstandortes entsteht nicht allein durch seine Kostenstruktur. Sie entsteht durch das Zusammenspiel zahlreicher Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen und deren Bedeutung sich im Laufe der Zeit verändert. Unternehmen, die ihre Standorte ausschließlich anhand einzelner Kostenkennzahlen bewerten, laufen Gefahr, wesentliche Zusammenhänge zu übersehen und Entscheidungen zu treffen, die kurzfristig plausibel erscheinen, langfristig jedoch erhebliche Nachteile verursachen können.